Für sich selbst einstehen

/ April 17, 2022/ Neues aus dem Meeting

Eine der Königsdisziplinen bei CoDA und unser Thema eines der Meetings. Auch zu diesem Thema gibt es so viele Situationen, Anforderungen, persönliche Erfahrungen, wie viele wir sind und wie viele Versuche wir schon unternommen haben. Kann man das Thema auf einen “gemeinsamen Nenner” runter brechen? Analytisch angehen, tabellarisch zusammenfassen? Können wir uns Richtungen, Vorgaben, Verhaltensregeln aufzeichnen und uns diszipliniert dran halten? So ohne Zweifel an der Richtung, ohne Schuldgefühle und schlechtes Gewissen, ohne Überheblichkeit und Arroganz?

Was bedeutet für Dich “für sich selbst einstehen”?
Woran denkst Du gerade?
Das unsere Wünsche, Bitten, Forderungen erfüllt werden? Dass wir uns keine zusätzlichen Pflichten, Arbeiten, Verantwortlichkeiten aufzwingen lassen? Also, dass wir uns durchsetzen?
Moment mal…. “dass unsere Pflichten, Arbeiten, Verantwortlichkeiten erfüllt werden und dass wir unsere Wünsche, Bitten, Forderungen aufzwingen…” ?? hmmm…

Ließen sich nicht viele Sätze so umdrehen? Folglich: bedeutet es, dass wenn wir für uns einstehen, ein Anderer zurück zu stecken hat? Geht es also um “kämpfen und gewinnen”? Nein, nein, natürlich nicht, es geht nur um “liebevoll gezeigte Grenzen und den eigenen Weg gehen”. Doch muss auch da nicht irgendjemand “damit klar” kommen?

Ist es nicht mitunter genau das, was im Wirrwarr der CoDA-Gedanken es so schwer macht? Das wir beobachten, lernen, erleben, dass “für sich selbst einstehen” im Alltag und auch in den verinnerlichten Vorstellungen und auch in eingeübten Prozessen eher eine Kampfhandlung ist? Grenzen durchbrechen, abstecken, verteidigen, standhaft bleiben… geschafft! und dann im Nachgang “hätte ich es lassen sollen? hab ich verletzt? werde ich den Job behalten? kommt nun die Trennung? Mögen sie mich noch… ”

Und wieder mal ganz anders gefragt: In welchen Situationen tust Du einfach etwas, was du willst, ohne nachzufragen und nachzudenken? Egal, wie unbedeutend und einfach es für dich grad scheint, was ist es? Dein Lieblingsgetränk zum Frühstück? der teure Joghurt? Biogemüse? die Tempertur des Badewassers? aktueller Lieblingssong? Lieblingsmensch?

Ahh….. zu einfach, weil es nur uns selbst betrifft, und kein anderer Mensch involviert oder betroffen ist?
Schön, weil nun können wir in uns hineinhören, wie sich das anfühlt, zu tun, was uns gut tut, weil wir nun diese “unbedeutende Kleinigkeiten” wie Kostbarkeiten in einer Schatztruhe sammeln können, es wird doch noch mehr geben, wo wir dieses Gefühl wieder entdecken?

“Ich merke, dass ich wieder zulasse, dass ich in einer Situtation bleibe, die mir nicht guttut”
“Ich durfte eine Freundschaft erleben, die voller Respekt, Abgrenzung und Nähe war. Ich kann es also, aber es liegt auch an der anderen Person, ich muss nicht immer an mir zweifeln”

Warum suche ich mir eine Hose aus, aber nicht die Menschen, die mir gut tun? Warum mache ich mir soviel Mühe beim Umstieg auf nachhaltige Produkte, bis ich etwas passendes gefunden habe, aber bei Menschen nehme ich alles hin? Warum informiere ich mich, lese Testberichte, schlafe 3 Nächte vor der Entscheidung, lasse mich beraten – wenn ich ein Auto kaufe, prüfe aber bei Menschen nur kurz, mit wem ich mich einlasse? Würde ich eine Wohnung kaufen, weil mir der Hausanstrich gefällt?

Ist es möglich, dass nicht das “nicht wissen, was man will” der springende Punkt ist, sondern das “nicht dürfen”? Oder irgendetwas, was die “Verantwortung” streift?
Falls ja, wer gibt oder verweigert uns die Erlaubnis, wem gebe ich die Verantwortung?

Man kann sich durch alle Joghurts durchprobieren, bis man “den richtigen” gefunden hat. Ohne dem ersten die Loyalität zollen zu müssen.

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es funktioniert!
Isabella