Augenhöhe und Urteil – stehe ich drüber oder drunter?

/ November 27, 2021/ Neues aus dem Meeting

Die Themen und Inspirationen des gestrigen Meetings lassen sich schwer in einer Überschrift zusammenfassen. Es wurde viel geteilt zu vielen Aspekten, unterschiedlichen Beobachtungen und Erfahrungen. Das Meeting war sehr anregend, spannend und die Kraft des Meetings war deutlich spürbar. Vielleicht gelingt es mir die bereichernde Inhalte passend in Worte zu fassen. Drückt mir die Daumen!

Auf der einen Seite hegen wir den Wunsch in einer Gesellschaft zu leben, in der Respekt, Toleranz, Gleichwertigkeit, Wertschätzung, Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstverständlichkeit des einfachen Seins herrschen. Wir möchten Menschen begegnen, die sich nicht verstellen, wir sind bereit uns zu zeigen, wissen, dass ein Kennenlernen ein Prozess ist, wir wollen sehen und gesehen werden.
Weiter noch, wer sich noch tiefer in die Spiritualität begibt, der macht sich Gedanken darüber, wie man mit Liebe Allen begegnet. Wie man die Eigenarten eines Menschlichen Wesens als dazugehörend akzeptiert und das Gegenüber als Jemand, der einfach seinen Weg geht, liebevoll anerkennen kann.

Wie Ihr euch denken könnt, kommt dann der Praxistest.
Fangen wir vorne an: Erstgedanke, Erstkontakt und die Liebe auf den ersten Blick – welche Vorurteile und welche Erwartungen hast du? Worauf die Vorfreude? Was macht dich nervös? Was versprichst du dir davon? Hast du dir die Begegnung ausgesucht? Wurdest du angesprochen? Ein Zufall? Oder willst du einfach nur Sport machen und andere Leute sind eine Nebenwirkung der Tatsache, dass du das Haus verlässt? Hat die HM sich dabei was gedacht?

Offengestanden, kenne ich kaum Menschen, die sich wirklich, wirklich keine Gedanken vorher machen. Bei Manchen ist es sogar ein Maschinchen voller bunter Gefühle, Erinnerungen, Wünsche und Hoffnungen. Ich gehe auch davon aus, dass die meisten voll von Vorurteilen sind – Vorurteilen, die uns helfen die Situation einzuschätzen um sich dann entsprechend zu verhalten unbeschadet durchs Leben zu gehen. Letztendlich, sind die Schlüsse, die wir aus einer Erfahrung ziehen nicht gleichzeitig Vorurteile gegenüber kommenden Erfahrungen? Wer hat noch nicht gesagt (oder gedacht) “hab ich es doch gewusst!” ?

Und dann ist es soweit, die Begegnung findet statt. UUUhaaa….
Und irgendwann sind wir wieder zurück und allein – und? ganz anders als gedacht? Ein gutes Gefühl mit Lust auf Mehr? Warum noch Mehr? oder anders: warum nie wieder?

In den Meetings hört man an der Stelle Vieles, woraus der eigene Wert abgeleitet wird. “wenn ich sie für unspirituell halte, erhebe ich mich doch”, “wenn ein Treffen plötzlich abgebrochen wird, fühle ich mich wertlos”, “wenn der Kontakt nicht erneut aufgenommen wird, fühle ich mich unsichtbar”, “die begreifen das nicht, da halte ich mich für schlauer und arrogant”, “ich muss eine allgemeine Bildung vorzeigen können, sonst fühle ich mich unterlegen”, “da gehe ich nicht mehr hin, das Publikum hat nicht mein Niveau”…

Darf ich das??? Was genau fragst du jetzt? na all das! Vorurteile haben, sich vergleichen, bewerten, Schlüsse ziehen, Prinzipien für die Zukunft entwickeln, mir Vorgaben machen, mein Wert aus solchen Begegnung schöpfen, aus der Tatsache wiederum einen weiteren Wert spinnen, Gewissensbisse haben, sich schämen, sich schlecht und unfähig oder unwürdig fühlen, um sich am Ende auf einen anderen Planeten wünschen. Oder alternativ, dass die Erde sich auftut…

Ja. Ich darf. All das. Möglicherweise ist es bereits ein ganz großer Schritt, wenn wir uns nur beobachten und wissen, dass wir es tun. Noch nicht das warum, noch nicht wie wir das ändern, sondern einfach nur – sich selbst als ICH sehen. Nicht das (fremde? eigene?) Vorurteil gegen sich selbst anwenden, das hat so nicht zu sein. Auch wenn es “besser wäre” oder “hilfreicher”…. darüber sind gaaaanze Bücher geschrieben worden…. ES IST.

Laufe nicht vor deiner Vergangenheit weg, renne nicht einer Verbesserung hinterher.
Koch dir einen Tee, mach die Kerzen an, lass Klänge ertönen und SETZ DICH HIN.
Du bist schon da. Im Sessel gegenüber. Erzähle dir eine Geschichte”
Unbekannt, 1964

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es funktioniert
Isabella