12. Schritte – wie soll das funktionieren??

/ Oktober 30, 2021/ Neues aus dem Meeting

“Gute 24 Stunden, kommt wieder es wirkt!” – auch wenn wir uns meist bei unserem Abschiedsgruß nicht einig sind, ob “es wirkt”, “es hilft” oder “es funktioniert” – dass es tut, das wissen wir.
Aber was? Und wie?

Nun ja, jeder Gefragte wird hierzu seine eigene Geschichte erzählen – und das ist schon mal die ersten wichtigen Säulen des Programms – das eigene Leben, eigene Rezepte und Eigenverantwortung. Die folgenden Beschreibungen betreffen meine Beobachtungen, Gedanken und Erfahrungen, die ich in den letzten 10 Jahren des Lebens mit dem Programm gesammelt habe. Wenn Du merkst, dass Du ganz andere Sichtweise hast, dann sind wir beide schon mal ganz schön “gut wie wir sind” 🙂

Bis zu meinem 1. Meeting habe ich gedacht, dass in Selbsthilfegruppen Gleichbetroffene sich gegenseitig erzählen, wie es besser geht, sich Tipps geben was zu tun ist, Therapiemethoden, Bücher, Ärzte empfehlen und überhaupt eine coole, nette Freundestruppe, gar Familienersatz, sind.
Und dann kam alles anders.
Keine Ratschläge, keine Empfehlungen, keine Hinweise, keine Versprechen “es wird alles gut!”, keine Analyse meines Lebens, kein “ai, ai – Mitleid”, keine Bewertung und nicht mal Kommentare zu dem, was ich geteilt hab.
Also muss es doch etwas Anderes geben, wenn die Leute behaupten, dass es funktioniert.

Ja, das gibt es: das 12. Schritte Programm.
Und mich.
Und tatsächlich steht es im Text: “wir sind hier, um nur einer Person zu helfen, mir”.
Aaahhh – sonst müsste es heißen “Fremdhilfegruppe”, oder?

Ein Sportstudioausweis, ein Buch im Regal oder ein Dampfreiniger in der Garage, was sind sie wert?
Gegen Kopfschmerzen kann man eine Pille einwerfen und dann weitermachen wie bisher, oder?
Irgendwo hinzugehen, sich hinzusetzen und warten, und dann wird alles besser – ich glaub, das funktioniert nur im Warteraum beim Zahnarzt.

Tjaa… Klinikaufenthalt, Therapiestunden, medikamentöse Unterstützung, Meditation, Autogenes Training, gesunde Ernährung, Scheidung, neuer Arbeitsplatz, neuer Beruf, kein Geld, viel Geld, neue Hobbys, Isolation, neuer Partner, alter Partner, Katzen, Kinder, Hunde und Schildkröten, aktives Sozialleben… was noch??

Etwas für mich, für drin. Etwas Echtes und Tiefgreifendes.
Meine Ehrlichkeit. Meine Bereitschaft. Mein Leben. Meine Verantwortung und meine Freiheit.
Das wären die nächsten Säulen des Funktionierens des Programms.

Und nun eine Frage: willst du die Freiheit nur für die nächsten 2 Stunden? Willst du dein Leben nur für die nächsten 24 Stunden? oder die Selbstverantwortung nur für heute? Oder manchmal an der Garderobe abgeben? Willst du Gelassenheit und Zufriedenheit “mal” fühlen?
Du kannst es. Wie du willst. Wie es gerade für dich möglich oder passend ist, wichtig und nötig ist.

Und, kam der letzte Satz überraschend? Hast du deine Gedanken schon in eine ganz andere Richtung galoppieren gesehen? Dabei beschreibt er die nächsten Säulen des Programms: Freiwilligkeit, Annahme und Akzeptanz. Am liebsten sich selbst, aber auch der Anderen.

Ja, ja, ist schon klar, aber wir komme ich dahin? Wie kann ich mich ändern? Und warum mich ändern? Ich bin am Ende, ich weiß selbst keinen Ausweg mehr!
Damit wären wir im 1. Schritt des Programms. Und nun lass dir Zeit. Soviel du brauchst. Höre den anderen zu, was sie zu diesem Schritt und dieser Erfahrung zu teilen haben. Beobachte deinen Alltag und dich, und finde immer wieder neu die Bedeutung des Schrittes. Sie wird sich ändern. Dein Leben lang.

Ich glaub, ich bin nun bei der Antwort auf die Eingangsfrage angekommen.
Es funktioniert, weil sich meine BEDEUTUNGEN meines Lebens geändert haben. Langsam, eine nach der anderen, in meinem Tempo, in meiner Tiefe. Ohne Druck, ohne Überforderung, ohne Sitzungszahllimitierung, Kostenübernahme, Ergebniserwartung und Berichterstattung. Nur für mich. Mit so vielen Meetings, wie ich brauchte, so viel Schritte”arbeit”, wie mir guttat, und so vielen Änderungen, wie ich wollte.

Das 12. Schritte Programm ist ein Weg von vielen. Gelebt wird es auf so viele Weisen, wie viele Programmfreunde es gibt. Interessanterweise gibt es viele Ähnlichkeiten in den Empfindungen und Berichten, und doch werden sie damit nicht zu Gesetzen. Mach daraus, was du willst, bleib, geh, komm wieder, mach Pause, zieh es durch, ändere nicht mich, nicht das Programm, “nimm, was du brauchst und den Rest lass es hier”.
Manchmal bleibt das Programm ein “Pillenersatz” für die Zeit der größten Not, manchmal bringen die aktuellen Bedürfnisse nicht die Bereitschaft mit sich darauf einzulassen. Das ist OK. Manchmal bewirkt das Programm eine dauerhafte Umstellung des Alltages und wir brauchen die Meetings nicht mehr. Auch das ist OK.
Und dann wäre zu Guter letzt noch der 12. Schritt.

Was bedeutet er?
Komm wieder, und bleib, du wirst es wissen:)

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt!
Isabella