10. Tradition – nettes Kaffeekränzchen?

/ Oktober 16, 2021/ Neues aus dem Meeting

10. Tradtion: CoDA hat keine Meinung zu Fragen außerhalb ihrer Gemeinschaft. Deshalb sollte auch der CoDA-Name niemals in öffentliche Streitfragen hineingezogen werden.

Sie wird schnell gelesen und für Wahr angesehen. Klar, logisch, kurz und bündig, steht sie in Verbindung mit der Anonymität. Wohl keiner von uns würde sich im Streit ähnlich äußern: “aber CoDA sagt, wir müssten dies so und so machen…!” oder? 🙂 12.Schritte Gruppen sind durch die Anonymität geschützte Rahmen, in den wir lernen ehrlich zu uns selbst zu sein und Vieles offen auszusprechen. Durch die Meetingsabläufe geschützt erfahren wir, dass unsere Sichtweisen keine Kritik und Bewertung nach sich ziehen, dass auch Andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben und uns sogar verstehen können.

Das grüne Arbeitsbuch von CoDA hält aber noch mehr parat zu dieser Tradition. Was hat sie mit der CoDA Literatur zu tun? Was heißt “CoDA zugelassene Literatur”? Warum keine anderen Bücher? “Das Buch hat mir so viel geholfen, lasst uns daraus was vorlesen!”, “Mit dieser Publikation habe ich verstanden, wie es funktioniert, das erzähle ich Euch!”, “In dem Film wird das gut gezeigt, das empfehle ich!”.

Nun ja, es ist wohl üblich, wenn wir eine Erleuchtung hatten, wenn es uns besser geht, wenn wir ein Hilfsmittel gefunden haben – dies mit der Welt teilen zu wollen. Um zu helfen, natürlich.
Und doch “behalten wir unsere Ratschläge für uns”. Warum?
Möglicherweise – weil wir auf dem Weg sind, unser eigenes Leben zu verstehen und zu leben. Nicht das von Anderen.
Egoismus? Möglicherweise nein, sondern einfach nur Respekt vor den Entscheidungen eines Jeden, Akzeptanz der Einzigartigkeit und Anerkennung der individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten.

“Erzähl mir nicht das Buch, erzähle mir nicht den Film oder die wissenschaftliche Untersuchung, sondern – was hat es mit Dir gemacht? Wo hast Du es deinem Leben wiedererkannt, angewendet und wie hast Du dich dabei gefühlt? Wie danach? Was macht es mir Dir jetzt?
Bleib bei Dir.
Bleib bei uns.
Im Meeting haben wir keine Meinung zu Themen außerhalb, wir haben eigene Geschichte, eigene Gefühle und das Programm. Wir sind zusammengekommen in einem “fertigen” Programm, mit wertvollen Hinweisen und Empfehlungen. Es ist möglicherweise ein Werkzeug neben den anderen Werkzeugen. Es darf für sich stehen bleiben, wie es ist. Möglicherweise ist es genau die Stärke des Programms.

Und dann noch eine andere Betrachtungsweise der Aussage der Tradition “niemals in öffentliche Streitfragen hineingezogen werden“.
Haben wir nicht gelernt, immer und überall eine Meinung haben zu müssen? Üben wir nicht, diese Meinung auch öffentlich sagen zu können? Sehen wir, erleben wir nicht täglich, dass Menschen, die am lautesten ihre Meinung kundtun, am weitesten kommen? Gibt es gar einen “Zwang” sich zu allem positionieren zu müssen?

Brechen wir es mal runter auf den Alltag: die Nachbarn haben eine Diskussion, die Arbeitskollegen sind sich nicht einig, das Brautpaar überlegt, wer bei der Hochzeit neben wem sitzen kann, ohne dass es zum Eklat kommt. Kommen wir helfenderweise dazu? begeben sich in eine Zeugenposition und verlassen die Neutralität des Beobachters? Erheben wir uns zum Fachberater oder gar Richter?
“Geht mich nichts an!” – Gleichgültigkeit? Kühle Distanz? Einsamkeit? Ausgeschlossen sein? – also lieber doch Einmischen, bevor wir allein bleiben?

Oder gibt es da möglicherweise doch eine weitere Sichtweise?

Ich bin gespannt auf Deine Erfahrung, Kraft und Hoffnung. Komm ins Meeting und teile sie mit uns!

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es funktioniert!
Isabella