Wie ist das so, im Meeting?

/ Mai 2, 2021/ Neues aus dem Meeting

“Ich bin am Tiefpunkt, kann mir nicht mehr helfen, weiß nicht, was ich noch tun kann! Vielleicht habt Ihr einen Rat, eine Idee, wie ich mich wieder besser fühlen kann? Ich weiß auch gar nicht, ob ich hier richtig bin…, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll..”

Dann bleib einfach hier, höre zu, Du musst nichts sagen, in der Pause oder nach dem Meeting beatworten wir auch Deine Fragen!

Wir haben unsere Rituale, die einen festen Meetingsrahmen bilden – wir lesen zu Beginn und auch am Ende des Meetings unsere Texte vor. Das Vorlesen wird aufgeteilt, so dass Jede:r die Chance hat mitzumachen. Die Betonung liegt auf “Chance”, denn es gibt kein “muss”.
Es gibt einen “Eingangs-Goround” und auch ein “Abschluss-Goround”, so dass Jede:r die Chance hat, kurz zum eigenen Befinden Etwas zu teilen. Auch hier gibt es kein “muss”.
Dieser kaum veränderlicher Rahmen (wobei jedes Meeting es für sich anders entscheiden kann) ist etwas, was eine Stabilität gibt, einen Halt und Zeit zum Ankommen gibt. “Es ist wie eine Energieschicht, die den Raum bildet, in dem ich mich öffnen und am Ende auch wieder schließen kann”

Dazwischen ist der Raum zum Teilen da: Jeder hat die Chance einen Zeitrahmen von (3 bis 5 min) für sich zu nutzen. In der Zeit sprechen wir in der “ich”-Form, reden über unsere Empfindungen, reflektieren sie und unser Verhalten, berichten über Situationen und darüber, wie wir damit umgegangen sind. Kurz gesagt: wir teilen miteinander unsere Erfahrung, geben einander Kraft und Hoffnung.
Manchmal gibt es Themen, zu den wir teilen (diese schlagen wir zu Meetingsbeginn vor), am 1. Freitag im Monat ist es ein Schritt, am 3. Freitag eine Tradition ein Thema. Und auch das ist kein “muss”.
“Manchmal weiß ich vor dem Meeting nicht, worüber ich teilen könnte, überhaupt, ob ich teilen möchte und dann bekomme ich eine Inspiration, es es sprudelt so heraus! Oft formuliert sich dabei sogar eine neue Erkenntnis…”

Klingt so nach “kein muss, also egal”.. Ja und nein, ganz klar!

Sagen wir mal, es werden keine Erwartungen an Dich gestellt. Und doch funktioniert es, weil wir alle miteinander Teilen. Wir alle sind das Meeting: wenn Zwei sich treffen und die Präambel und das Gelassenheitsgebet vorlesen, findet ein Meeting statt. Nicht der Raum, nicht der Tag, sondern die Menschen sind das Meeting.

Möglicherweise stellt sich nun die Frage, was macht ein Gespräch unter Freunden zu einem Meeting, oder wo ist dann der Unterschied?
Im Meeting beachten wir ein Regelwerk fürs Reden: wir bewerten nicht, was Andere sagen, wir beziehen uns nicht darauf “ich sehe das anders”, wir unterbrechen einander nicht, wir melden unsere Bereitschaft zum Teilen für die Wortliste und warten bis wir aufgerufen werden. Wir reden über uns, also wirklich in “ich”-Form, selten in “er/sie/es” – also über Andere, und schon gar nicht in “Du”-Botschaften. Wir geben keine Ratschläge, stattdessen berichten wir darüber, wie wir mit ähnlichen Situation umgehen (und was es uns bringt 🙂 ). Je ehrlicher zu uns selbst wir werden, je offener wir beim Teilen werden, um so mehr Kraft strahlen die Beiträge aus.
Vielleicht gibt es solche Gespräche unter Freunden, die meisten werden jedoch anders ablaufen, oder?

Zurück zu Erwartungen: Du verpflichtest dich nicht regelmäßig am Meeting teilzunehmen, kannst du halten, wie du willst. Im Meeting bist du nicht verpflichtet zu lesen oder zu teilen, auch das kannst du halten, wie du willst. Du bist da, weil Du dir selbst helfen willst. Und das tust du, wann und wo du willst. Nur das wie, also die äußere Form, gibt das Programm vor. Mehr noch, es gibt mit dem 12 Schritten und 12 Traditionen Werkzeuge mit, die man gedanklich und emotional durcharbeitet und später sogar pragmatisch im Leben umsetzen kann. Aber auch hier… (du kannst es dir schon denken, oder? ) … gibt es kein muss.

Wie soll es dann funktionieren? Was soll hier funktionieren?

Darauf gibt es bestimmt ganz viele Antworten, manche ähneln sich sogar. “Für mich war am Anfang nur die Tatsache wichtig, dass ich mit Menschen zusammen war, die Ähnliches berichtet haben. Ich konnte noch nicht teilen, dafür war ich zu schüchtern und zu unsicher, aber zugehört habe ich...”
Ich war auf einmal nicht mehr so einsam, da gab es Menschen, bei denen ich mit der Zeit ich selbst sein konnte…
Die ganze Woche denke ich schon darüber nach, worüber ich teilen möchte, der Gedanke, dass bald wieder Freitag ist, trägt mich oft..
Ich habe mit der Zeit den Mut und das Vertrauen gefasst mich zu zeigen, dadurch wurde ich ehrlicher und offener zu mir selbst...”

Am Ende hast Du es in der Hand, was Du aus dem Programm machst. Wie oft, wie intensiv, wie fleißig oder spirituell, wie skeptisch oder enthusiastisch Du an den Meetings teilnimmst. Du kannst nur das tun, was du gerade kannst.

Klingt so nach “Eigenverantwortung”, oder?
Also doch nicht “egal”?

Manchmal ist es schwierig sich aufzurappeln, los zu fahren, andere Tätigkeit zu unterbrechen. Manchmal freut man sich, auch ohne das Meeting auszukommen (es ist nicht nötig…), manchmal ist es peinlich, nach längerer Abwesenheit wieder zu kommen, manchmal fühlt man sich zu schwach, zu schüchtern…. es gibt viele Gründe, über die berichtet wird, warum man nicht zu Meeting gekommen ist 🙂

Es gibt aber einen, ganz wichtigen Grund, an dem Treffen teilzunehmen: mich.

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt!
Isabella