Stress – der Hamster oder der Käfig

/ Mai 30, 2021/ Neues aus dem Meeting

Das Thema des Meetings war “Umgang mit dem Stress, krankheitsbedingter Stress und Selbstzweifel”. Kein leichtes Thema, Stress hat so viele Gesichter, wie viele Tage es gibt und besitzt offenbar eine “Macht” uns zum Hamster im Stresskäfig zu machen oder sich selbst zum Antreiber zu machen.
Dabei muss es gar nicht der Stress mancher Tage sein “der Bus ist zu früh gekommen”, “die Bahn ist ausgefallen”, “der Chef kam mit einer neuen Aufgabe”, “die Katze hat die Blumenvase umgestoßen”. Es ist der Stress, der viel tiefer in uns sitzt, der Stress, der das Gemüt trübt, das Lächeln raubt, an den Kräften zehrt, der krank macht.

Nein, wir haben auch hierzu keine allgemeingültige Antwort bekommen. Jeden stresst etwas anderes, jeder hat eigene Werkzeuge um mit dem Stress umgehen zu können und erlebt eigene Fehlversuche oder auch Siege. Auch die Ursachen sind so bunt, wie die einzelnen Leben und nicht einfach in Schwarz-Weiß zu kategorisieren.

Ich habe gefühlt 1000 angefangene Projekte, mich interessiert so viel und begeistert so viel. Dann fange ich an und etwas Neues lenkt mich ab. Das stresst mich, dass da so viel Unerledigtes liegt“, “ich bin krank, kann nicht so gut, nicht so lange arbeiten, teilweise gar nicht. Ich habe gegenüber meinen Kollegen und dem Chef Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, am Ende auch noch existenzielle Sorgen“, “man kann mir nicht ansehen, wie krank ich bin, die Seele lässt sich nicht sichtbar eingipsen, es stresst mich, mich immer wieder erklären zu müssen

Häufig hört man dann die Frage: wie viel davon machen wir uns selbst?
Als ich das erste mal gehört habe, ich wäre dran selbst schuld, soviel Stress zu haben, bin ich wütend geworden. Was für eine Überheblichkeit, mir so was zu sagen! Was für eine Unsensibilität! Frechheit! Aber am schlimmsten waren die Gefühle, die anschießend kamen: da ist was dran, ich bin unfähig mich zu organisieren, Opfer, krank, wie soll ich da raus kommen, das wird ja nie was!

Was wäre wenn:
“ich akzeptiere einfach, dass es mir Spaß macht, Neues anzufangen. Nur für Heute, ist es ein Teil von mir. Ob es ein Charakterfehler ist oder eine unaufgearbeitete Sucht, scheint meine Seele noch nicht zu sehen. Ich nehme mich mit meinem Genesungsstand an. Ich kapituliere gegenüber diesem Verhalten und gebe die Entwicklung an die Höhere Macht ab.”
Könntest Du dir das vorstellen? Oder kommen nun Botschaften von außen: “aha, Vermeidungsstrategie!”, “Reiß dich zusammen und höre damit auf!” Oder gar der Zweifel, dass Du mit Dir und Deinen Eigenarten nicht glücklich sein darfst, weil “man” es so nicht macht?

Was wäre wenn:
“ich akzeptiere, dass mich die Bemühungen systemkonform zu funktionieren, stressen und krank machen. Ich akzeptiere, dass ich an meinem Arbeitsplatz nicht glücklich bin. Nur für heute akzeptiere ich, dass ich bestimmte Werkzeuge nutzen muss, um im System trotzdem zu existieren: Job, Krankengeld, staatliche Hilfe, Rente…”
Könntest Du dir das vorstellen? Oder passt es nicht mir der Erziehung: Leistung, Unabhängigkeit, Stolz und Macht?

Was wäre wenn:
Kapitulation, Akzeptanz und Selbstannahme, nur für Heute, den Hamster aussteigen lässt? Rostet das Rad dann an?
Distanz und Beobachterposition zu den Anforderungen, nur für Heute, das Rad stoppen würde? Was wird dann aus dem Hamster?
Gelassenheit einfach zu erreichen wäre: ein Moment des Nichtstuns?

Was wäre wenn, eine Entspannung viel näher wäre, als wir es sehen?
So, wie die Stille, nach der wir schreiend suchen.

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt
Isabella