4. Tradition – Gemeinsame Selbständigkeit

/ Mai 24, 2021/ Neues aus dem Meeting

Jede Gruppe sollte selbständig sein, außer in Angelegenheiten, die auch andere Gruppen oder CoDA als Ganzes angehen.

Manchmal ist es schwer zu den Traditionen zu teilen. Gerade am Anfang unseres Genesungsweges sind wir mir den Schritten beschäftigt, mit der Analyse, der Aufarbeitung unserer Vergangenheit, mit dem Suchen und dem Finden des Selbst. Da scheinen die Traditionen ganz weit weg zu sein, “sie sprechen von den Gruppen, nicht von mir”.

Und doch kann man Beziehungsprobleme nicht alleine lösen. Sonst bleibt unsere Vorstellung von einer funktionierenden, guten, gesunden Beziehung – eine Theorie, ein Wunsch, ein Traum. Da können wir uns noch so vorbereiten, uns so viel vornehmen, uns noch so abgrenzen, noch so viel Gutes wollen – und dann kommt es zweitens anders als man denkt. Die Anderen kennen unseren Plan nicht und halten sich nicht daran.

Ob das Programm uns auch dafür Inspiration gibt? Schaue dir die Traditionen unter diesem Blickwinkel an, lass dich inspirieren 🙂

“Jedes Familienmitglied sollte selbständig sein, außer in Angelegenheiten, die auch andere Familienmitglieder oder Familie als Ganzes angehen”
“Jeder Ehepartner sollte selbständig sein, außer in Angelegenheiten, die auch den anderen Partner oder die Ehe als Ganzes angehen”

Wie verstehst du das? Was denkst Du gerade? Was lösen diese Worte in Dir aus?
Kann das funktionieren? Widersprüchlich? Coabhängig? Verstrickend?
Oder nähern sich die Aussagen sogar dem Kern der Verwirrung?

“Selbständigkeit war für mich immer mit Distanzierung verbunden, teilweise sogar mit Einsamkeit. Klar, bringt sie die Gefühle von Stärke, Unabhängigkeit, gewissermaßen sogar von Macht. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wiederum brachte mit der Regel, die Gruppenregeln verfolgen zu müssen um dabei zu sein, ein Gefühl von Selbst-Verlust. Das Heute ist immer noch davon gekennzeichnet: mein Leben, nicht nach den Regelvorgaben meiner Familie gelebt, “verursacht” den Kontaktabbruch.”

Wie viel Selbständigkeit “darf” mein Partner leben, ohne, dass ich mich nicht genügend beachtet oder ungeliebt fühle?
Wie viel Selbständigkeit “muss” mein Partner leben, ohne, dass ich das Gefühl habe, ihn im Stich zu lassen?
Wie viel Selbständigkeit büße ich ein, wenn wir als Paar präsent sind?

Spannend? Na ja, wir müssen ja die “richtigen” Antworten nicht gleich finden, wir müssen ja nicht mal darüber weiter nachdenken, wenn es noch zu schwer fällt.
Wir haben das Programm und die Meetingsgruppe. Wir können uns damit beschäftigen, was die Selbständigkeit unseres Meetings herstellt und erhält. Wir können hinschauen, ob unser Meeting andere Meetings beeinflusst oder welche Auswirkung unser Tun auf die ganze Gemeinschaft hat. Gibt es überhaupt Auswirkungen? Welche?

Und wir müssen nicht alles dazu wissen. Die Gruppe weiß es.

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt!
Isabella