Die Genesung und die Einigkeit

/ Februar 20, 2021/ Neues aus dem Meeting

Interessanterweise sind die 12. Traditionen zunächst für die meisten Neuankömmlinge sowas wie ein Störfaktor, notwendiger Teil des Ablaufs, nervig o. Ä. Selten finden wir einen schnellen Zugang zu Ihnen.

Möglicherweise finden sie deshalb in einigen Meetings nicht die gleiche Priorität, wie die 12. Schritte. Die Meisten finden zum Programm in ihrer größten Not, erschöpft vom Leid, ermüdet vom Kampf gegen die Ratlosigkeit, entmutigt von Rückschlägen. Mit den Schritten kann man recht schnell die Arbeit an der dringendsten Stelle beginnen: an sich selbst. Wir gehen in uns, begegnen Gott, lernen uns selbst kennen und lieben, lernen uns zu verzeihen und gnädig mit uns umzugehen und am Ende gehen wir vorsichtig aus dem Schneckenhaus der eigenen Genesung auf andere Menschen zu. Wir üben Wiedergutmachung, stehen neuen Programmmitgliedern zur Seite, übernehmen Dienste um das Programm lebendig zu halten. Wir sind in der Lage behutsam das eigene Universum zu erweitern.

In dem geschützten Rahmen des Programms lernen wir offen und ehrlich mit uns selbst umzugehen, erleben wir Annahme und Akzeptanz und der respektvolle und liebevolle Umgang miteinander begleitet uns durch viele Täler und Gipfel der Genesung. Wir lernen zu vertrauen. Wir lernen der Höheren Macht zu vertrauen. Wir lernen, dass ein CoDA-Meeting keine Hierarchie hat und kein Leistungsdruck ausübt. Wir lernen für das Meeting und das Programm Verantwortung zu spüren. Verantwortung und Gleichwertigkeit in der Gemeinschaft.

Für viele von uns sind es die ersten Schritte des Lebens.
Schritte in eine Verantwortung ohne Kontrolle, ohne Manipulation, ohne Druck, ohne Unterdrückung, ohne Projektmanagement, ohne Termine und sogar ohne Verpflichtung. Schritte in ein Gleichwertiges Leben.

Waaas?
Ich habe genug Verantwortlichkeiten im echten Leben, ich will nur ins Meeting gehen um mich wieder auf die Beine stellen! Ich möchte keine Verpflichtung übernehmen, ich weiß nicht ob ich es schaffe! Wie soll ich die Verantwortung übernehmen und gleichzeitig nicht sagen dürfen, was gemacht werden soll??!! Verantwortung ohne Weisungsbefugnis??

Unmöglich? New Age Geplapper? Spirituelle Träumerei?
Na dann lass uns nun die 12. Traditionen ins Visier nehmen 🙂
Hier ist die Erste:
Unser gemeinsames Wohlergehen sollte an erster Stelle stehen; die Genesung des einzelnen beruht auf der Einigkeit in CoDA.

Viele von uns erleben selbst, hören von Anderen, immer wieder: “mich hat die Ehrlichkeit und Offenheit sehr berührt”, “ich fühle mich Willkommen”, “danke, dass Ihr mich aufgenommen habt”, “ich fühle mich gleich weniger Einsam”, “ich freue mich die ganze Woche auf das Meeting”…

Dabei sind wir nicht einfach ein besonders netter Haufen. Es hat keine Vorauswahl an besonders liebevollen Menschen stattgefunden. In Wirklichkeit wissen wir voneinander ganz wenig, wir reden nicht übereinander, wir wissen manchmal nicht mal, dass die Mitglieder sich untereinander kennen oder gar ein Paar sind. Wir wissen nicht, wer was gelernt hat, welcher Titel neben dem Namen steht oder welches Jobcenter zuständig ist. Kein Geld der Welt, kein Titel, keine Position, keine Systemrelevanz macht uns im Meeting besser, wichtiger, privilegierter.

Bestimmt dauert es ein wenig, bis wir von der Sichtweise “Eures Meeting und ich” zu “unser Meeting” kommen. Und doch ist Jeder, der zum Meeting kommt sofort ein Teil des Ganzen. Jeder trägt sofort zum Programm bei! Sich die Abläufe anzuschauen, sie zu respektvoll zu beachten, sich mit Namen vorzustellen, dies sind bereits unsere Beiträge zu Gemeinschaft.

Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Wir beschäftigen uns mit den Schritten und Traditionen, wenn das Bedürfnis dafür wächst. Wir entwickeln unsere eigene Beziehung zum Programm, wir tragen eigene Bilder von der Höheren Macht, unsere eigenen Gefühle leiten uns.

Darin sind wir uns einig.

Gute 24 Stunden
komm wieder, es wirkt!
Isabella