Durchdachte Vergangenheit und das Jetzt

/ Januar 24, 2021/ Neues aus dem Meeting

Wahrscheinlich wären wir nicht hier, wenn es uns so prächtig ginge, wie wir uns vorgestellt haben, als wir damals den Plan geschmiedet haben, wie wir uns verhalten wollen, damit es uns heute besser geht.

Wahrscheinlich würden wir heute viel weniger leiden, wenn wir damals anders gehandelt hätten, hätten wir gewusst, dass wir keine guten Ergebnisse durch das Befolgen der eigenen Vorgaben erzielen werden.

Wahrscheinlich wären wir heute viel glücklicher, gäbe es in unserer Vergangenheit nicht diese bestimmte Menschen, die sich nicht so verhalten haben, wie wir das wollten oder brauchten.

Wahrscheinlich. Sie schmerzt, sie löst Bedauern aus, sie lässt Tränen fließen, sie blockiert, verschließt das Herz, lässt das Vertrauen schwinden, macht hart und krank, ist voller Schuld und Scham, voller Kämpfe und Befreiungsversuche, voller Niederlagen und Wiedergeburten – unsere Vergangenheit.

Sie hat uns geprägt, geformt, uns einen Namen gegeben. Irgendwie wollen wir aber auch dahinter kommen, auf welche Weise dies geschehen ist. Viele Therapien, unzählige Fachbücher, Gespräche mit guten Freunden bringen uns näher an die Antwort des Warums. Zusammenhänge der Entwicklungen in der Familie, im sozialen Leben, in eigenen Partnerschaften werden sichtbar. Auf dieser Basis fällt es leichter uns selbst in dem Gefüge der Vergangenheit zu sehen, zu begreifen, und sogar zu vergeben. Und es hilft, in aktuellen Situationen schneller die alten Muster wieder zu erkennen, es hilft die Verantwortung in die richtigen Hände zu legen.
Ein ganz wichtiger Abschnitt unseren Genesungsweges.

Und nu? Wir möchten die Zukunft besser gestalten, unsere eigenen Fehler nicht mehr wiederholen, uns von toxischen Mustern und Menschen distanzieren, wieder Freude und Leichtigkeit im Leben finden. Mit viel Disziplin, mit viel Arbeit, voller Hoffnung “wenn ich das schaffe, wird es besser werden”, oft voller Verzweiflung “mit mir nie wieder!”, voller Zuversicht schmieden wir wieder neue Pläne, beschreiten neue Wege.
Wir sind auf dem Genesungsweg. Es wird besser.

Und dann gibt es noch Tage, an welchen es nicht schnell genug geht oder die Vergangeheit wieder so präsent ist, dass wir ratlos in dem Gefühl stecken, es ändert sich nichts, womöglich wird sich nie was ändern. Verhaltensrückfälle, Depression, Schwere und düstere Gedanken bringen die Dunkelheit. Es hat sich viel geändert, es hat sich nichts geändert, wir sind immer noch nicht glücklich, wir leiden immer noch.

Und doch ist es anders, als am Anfang unserer Genesung: diesmal wissen wir deutlich mehr, diesmal haben wir einen bewußten Weg gewählt, und diesmal wissen wir, dass es gute Phasen gibt. Möglicherweise sind es noch sehr kurze Zeitabschnitte und doch gibt es sie. Unsere Arbeit war nicht vergebens.
Wir probieren einen neuen Weg aus. Es wird besser.

Wir haben sehr viel über uns selbst gelernt, viel selbst erfahren, viel selbst erlebt. Wir haben einen anderen Startpunkt erreicht, um das künftige Morgen zu gestalten. Da scheint die jüngere Vergangenheit doch etwas Positives gebracht zu haben.
Vielleicht schaffen wir tatsächlich zu verstehen und sogar zu empfinden, was gemeint ist, wenn wir hören “nehme die Vergangenheit an und lasse sie los!”. Dem Verstand ist es schon länger klar, dass wir an der Vergangenheit nichts ändern können. Sie ist, wie sie ist.

Hattest Du gerade den Gedanken “…nur unsere Zukunft können wir ändern”??

Darf ich in diesem Fall fragen, wo das Jetzt geblieben ist? Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir dem Jetzt, wenn wir uns mit der Vergangenheit beschäftigen und Pläne für die Zukunft schmieden oder uns gar Sorgen darum machen?
Müsste sich das Jetzt nicht wie das sprichwörtliche, unsichtbare mittlere Kind fühlen? Nie wichtig genug, nie beachtet genung, aber morgen wird es als Gestern zur Rechenschaft gezogen. Das innere Jetzt-Kind braucht unsere Zuwendung, ein wenig Liebe und Lächeln, einen Lollie, eine vorgelesene Geschichte, und einmal ein Gewicht im Leben oder sogar die Entscheidungsmacht
. Das Jetzt verdient Vertrauen.

Ein Meeting hat viel “Jetzt” inne. Auch wenn wir über unsere Verganheit sprechen, so lassen wir uns auf die Meetingsenergie ein und öffnen uns. In diesem “Jetzt” sind wir ehrlich zu uns selbst, beobachten unsere Gefühle, unsere Gedanken, teilen sie sogar mit. Wir lassen uns inspirieren, erleben Erkenntnismomente, fühlen uns geborgen. Wir hören zu, sind in dem, was gerade geschieht verankert. Ohne Bewertung und Kontrolle, ohne Steuerung und Planung stattdessen mit Akzeptanz und Vertrauen erleben wir das Jetzt.

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt!
Isabella