“Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren”

/ Oktober 17, 2020/ Neues aus dem Meeting

Es gibt Zeiten, die mit Fragen, Erkenntnissen, Problemen, Lösungsansätzen, Ratschlägen, Bemühungen um Änderung, Rückfällen in alte Verhaltensmuster gefüllt sind. Zweifeln, alte und neue Schmerzen, Scham und Schuld, Zukunftsängste lassen kaum Platz für Hoffnung.

Es ist jedesmal ein Kampf den Tag durchzustehen”, “es ist, wie der Kampf mit den Windmühlen”, “Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen”
“Ich muss aber was tun, Aufgeben möchte ich nicht…”, “ich muss mich zusammenreißen, mehr Disziplin zeigen..”
Häufig gehen wir sogar soweit, dass wir schlicht Unmögliches von uns verlangen: ein Depressiver soll mit lustigen Freunden ausgehen, ein Einsamer soll sich mit sich selbst beschäftigen, ein Verletzter muss Vertrauen haben, ein Opfer könnte die zweite Wange hinhalten..

Was denn noch?? Mit gebrochenem Bein den Weltrekord auf 100m laufen??
Ha! Hast Du dich gerade gefragt, warum offensichtlich sichtbare Erkrankungen, klare Hindernisse, äußere Grenzen einfacher zu akzeptieren sind? Ein gebrochenes Bein macht mich nicht zum Loser, ein depressiver Bett-Tag aber schon?

Wie oft hören wir “die Gesellschaft macht mich krank, ich kann diesen Ansprüchen nicht genügen”, “meine Partner setzt mich unter Zugzwang, ich muss mich ändern”, “ich muss das erreichen, damit meine Eltern mich akzeptieren”
Ist es aber am Ende nicht so, dass…
wir genau die Sichtweise unserer “Peiniger” annehmen, um sich selbst zu beurteilen?

Was wäre, nun mal rein theoretisch, wenn wir sagen würden “ich finde es toll, wenn ich täglich mit 50 Menschen vernetzt bin”, “ich finde es sehr schön, die Jalousien runter zu lassen und in der Dunkelheit zu sitzen”, “ich finde es toll, tagelang die Wohnung nicht zu verlassen”, “ich finde es sehr beruhigend, nicht über meine Gefühle nachdenken zu müssen”, “ich finde es sehr vitalisierend, mich über alles aufzuregen”, “ich finde es spannend, Kontakt mit narzisstischen oder coabhängigen Menschen zu haben, sie fordern mich”…. ?
Was wäre, immer noch theoretisch, wenn wir es in dem Moment sehen, ansehen würden – wir tun es gerade! Offensichtlich ist es für heute das, was ich will! Offensichtlich habe ich einen Vorteil aus diesem Verhalten….
Offensichtlich ist es mir dienlich

“Es fällt mir schwer, dies so zu sehen, dies zu akzeptieren…”

Offensichtlich, ist dies Nicht-Akzeptieren uns heute dienlich.
Warum?
Nun, ist das nicht eine spannende Frage?

Gute 24 Stunden
kommt wieder, es wirkt!
Isabella