/ August 4, 2020/ Neues aus dem Meeting

Natürlich sollte es in dem ersten Beitrag seit dem Herbst letzten Jahres über den Neustart des Meetings in der Corona-Zeit gehen. Doch die Überschrift führte mich durch das “Herumgelösche” und “Neuwortgeschöpfe” zu einem anderen Gedanken. Aber Eins nach dem Anderen.

Ich freue mich sehr, dass ein Meeting in Real-Live stattgefunden hat. In der akuten Zeit sind Messenger-Gruppen, Telefon- oder Onlinemeetings sehr hilfreich. aaaber.. nicht ganz dasselbe. Und es war ein schönes Meeting.

Loslassen war unser Thema. Loslassen von Menschen, von Groll, von Verhalten – wie macht man es? Wie erkennen wir unsere Sucht, das Festhalten an Gedanken, an eventuell aussichtslosen Hoffnungen, an eventuell illusorischen Sicherheiten, die uns doch bisher durch das Leben begleitet haben und uns das Überleben gesichert haben?

“..in CoDA lernen wir das Leben zu leben”. Wie denn?

Nun der Sprung meiner Gedanken. Mich beschäftigt sehr das Thema der Infektionsgefahren. Bringe ich eine zusätzliche Gefahr in mein Leben durch die Teilnahme am Treffen? Bringe ich sogar, durch die Organisation eines Treffens, die Gefahr in die Leben anderer Menschen hinein? Bin ich dadurch verantwortlich, wenn sich Jemand infiziert und daran sehr schwer erkrankt?

Im Grunde ist es Jedem einzelnen überlasssen, die Entscheidung für sich selbst zu treffen, an einem Meeting teilzunehmen. Die pandemische Gefahr sollte inzwischen Jedem ausreichend bekannt sein, die Verhaltensregeln ebenfalls und die Teilname am Treffen bedeutet die Zustimmung für die Einhaltung der Hygieneregeln.

Jede*r sollte also für sich darauf achten, die Maske zu tragen, den Abstand zu wahren und die Desinfektion anzuwenden. Und doch schleichen sich die Alltagsgewohnheiten ein: Zuhause denke ich nicht daran, die Türklinken oder Lichtschalter abzuwischen, habe kein Desinfektionstüchlein permanent in der Hand. Zuhause spreche ich intime Dinge mit leiserer Stimme an, komme dadurch meinem Gesprächpartner näher. Sogar die “Corona-Ellenbogen-Begrüßungsformel” erfordert eine Nähe, die weniger als 1,5 m beträgt.

Nun ja, wir sollten achtsam sein. Immer noch achtsam, vielleicht sogar noch achtsamer als zu Beginn der Pandemie, als alles noch Erschreckend und Neu war. Jetzt, wo sich eine Art Pandemie-Müdigkeit einschleicht, wo ein Stück Normalität wieder einkehren kann, steigen die Infektionszahlen.

Sind es immer noch “die Anderen”? Die, die in Fleisch verarbeitenden Betrieben arbeiten? Die, die aus dem ersehnten und so nötigem Urlaub zurückkehren? Die, die das Pech hatten einem Superspreader zu begegnen?

Und was ist mit den Corona-Leugnern? Haben die Zweifler recht? Ist der Blick der Grundrechte-Beschützer der Richtige? Sind die Coolen, die sich “so normal wie möglich” verhalten wollen, die Gelassenen, welche sich nicht manipulieren lassen wollen?

Meine Antwort auf die Frage, ob ich das wünsche, dass Jemand im Büro die Maske aufsetzt war: “ja, bitte, beschütze mich”.
Egal, welche Meinung Du hast, egal, welcher Nationalität Du zugehörst, an wen Du glaubst oder wem Du misstraust – beschütze mich bitte, so wie ich Dich beschütze.

Lasst uns Aufmerksam sein – lass uns daran denken, was wir hinterlassen – an den Armlehnen, am Kugelschreiber, am Ärmel bei zufälligen Begegnen.

Lasst uns daran denken, was wir durch die Luft verbreiten.
Und diesmal – nicht nur daran, was die Schallwellen tragen und was in den anderen Herzen landet, sondern auch daran, was die Aerosole tragen und was in den anderen Lungen landet.

Lasst uns neu zu lernen, wie eine herzliche Umarmung ohne Berührung auszudrücken ist. Lasst uns neu lernen, wie wir die Gesundheit Anderer erhalten, ohne eine Weisheit auszusprechen. Lasst uns lernen, wie wir liebevolle Distanz halten.

Lasst uns neu lernen, in der Welt, die so voller alter, bewährter Verhalten ist.
In der Welt, unserer eigenen Welt, die so voller Erinnerungen und Erfahrungen ist, dass sie uns unsere eigene Regeln bilden ließ, von den wir nicht abrücken wollen, lasst uns nach neuen Blickwinkeln suchen.

Für das Neue Leben gibt es keine Vorbilder, keine Vorgaben, keine Sicherheit. Kein Plan.
Ist es nicht genau das?
Ist das nicht schön?

Gute 24 Stunden
Beschütze mich, so wie ich Dich beschütze
Isabella