/ August 10, 2020/ Neues aus dem Meeting

“Na, werd doch mal erwachsen, deine Eltern können doch nicht an Allem schuld sein!”
Diesen Satz habe ich gehört, als ich gerade anfing, sich mit meiner Coabhängigkeit zu beschäftigen. Und mit meinem niedrigen Selbstwertgefühl. Und mit meinen kaputten Beziehungen. Und mit dem großen Mangel an Liebe.
“Klar, ich bin als Missgeburt auf die Welt gekommen und habe mir selbst alles so beigebracht..”. grummelte es in mir, während aus den familiären Reihen eine Feststellung kam: “du brauchst keine neue Familie, du brauchst einen Psychiater!”

Wie recht mein lieber Onkel doch hatte. Zum Glück hatte ich schon etliche Therapiestunden und einen Klinikaufenthalt hinter mir, als ich das gehört habe.
Wie er doch gleichsam irrte.

Es war ein Schritte-Meeting – und passend zu dem Neustart des Meetings – der 1. Schritt. Sehr schnell jedoch verlagerte sich das Teilen auf das Thema der elterlichen Botschaften. Hätten Sie doch damals schon gesagt: “- dass mein Leben nicht mehr zu meistern war”… wäre ich vielleicht eher auf die 12 Schritte gekommen.

Doch die Botschaften waren anders: “du bist nicht gut genug”, “du strengst dich nicht genug an”, “wenn du das erreichst, werden wir dich lieb haben” bis zum “du bist herzlos und undankbar”.

Ist das die elterliche Liebe? Haben meine Eltern mich jemals gesehen? Haben Sie mich geliebt, so wie ich bin?
Haben sie mich jemals losgelassen? mich erwachsen sein lassen? mir vertraut, mir Fähigkeiten zugetraut?
Haben Sie niemals andere Wege gesehen mich zu unterstützen, als Liebesentzug, Manipulation und Kontrolle (notfalls als Exekutive durchgesetzt).

Und was hat es mit meiner heutigen Coabhängigkeit zu tun?
Ich bin ein Kind aus dem Mangel.
Mangel an Liebe, am Selbstvertrauen, an Stabilität, am Selbstwert, am Selbstbild, am Mitgefühl, an Sicherheit, am Mut, am Urvertrauen, an Zuversicht…

Was eine leichte Beute für ein Opfer, welches sofort meine Hilfe bekommt.
Was eine leichte Beute für einen Narzisten, der meine Verliebtheit sofort bekommt.
Welch eine leichte Beute für die Eltern, die nach Verständnis, Dankbarkeit und Zuspruch verlangen im Tausch für einen Moment der “Heile-Familie-Illusion”.

Es sind diese Momente, die uns häufig vorgaukeln, geliebt, gebraucht und gut genug für Jemanden zu sein.
Sie sind groß genug, um den Glücksrausch zu empfinden, klein genug um schnell zu verschwinden. Groß genug, um Verlangen danach zu entwickeln, klein genug, ständig auf der Suche danach zu sein.

Ein Glücksmomente-Sammler, immer mehr, mehr, mehr davon… Ein Glücksmomente-Sucher, immer mehr, mehr mehr MEHR… weil die Leere, die ein Elternhaus ohne Liebe hinterlassen hat, damit nicht zu ersetzen ist.

Und dann sage ich: “na, frag mich doch nochmal, ob meine Eltern etwas mit meiner Sucht zu tun haben!”

Alkohol, Drogen, Tabletten, Essen, Sex, Helferitis, Wertschätzung, Karriere, Beauty, Besitztümer, Kronkorken, Shopping, Schuhe.. Liebe…
Was sucht der Sucher in Dir?

Gute 24 Stunden
Isabella