/ August 29, 2020/ Neues aus dem Meeting

Tja, gäbe es Knöpfe für die einzelnen Gefühle, gäbe es bestimmt viel weniger Selbsthilfegruppen und Therapiestunden. Doch wäre das schön? So ein An und Aus? Wo Gefühle, wie GE-quatsche, GE-rede oder GE-tue fast schon GE-genständlich behandelt würden?

“Lass es zu! Lass es raus! Lebe es aus!” oder “Reiß dich zusammen! Fassung bewahren! Bleib vernüftig!”
Watten nu? Zum Lachen in den Keller gehen? Für alles andere in eine Klinik? Gefühle als Krankheit?

Kinder haben ein gewisses Pensum an Gefühlsausbrüchen, die sie ausleben dürfen. Die Lachanfälle werden als herzerfrischend gefilmt und gepostet, das vergnügte Gequitsche und Geschreie darf bis zum gewissen Alter stattfinden (wobei die Dauer hier successive gekürzt wird), Wut und Ärger werden ziemlich früh verteufelt. Wenn das Pensum aufgebraucht wird, ist Schluss mit Lustig. Meist beginnt gleichzeitg die Schule.

Glückliche Kinder. Sie hatten eine schöne Kindheit.

Welche Kindheit hatten die braven Vorzeige-Kinder? Die gelernt haben, ohne Gefühlsuntermalung kann man besser um ein Eis verhandeln? Oder, dass es besser sei, sich zu kneifen statt laut aufzuschreien? Oder, dass eine nette Verschlossenheit Kritik erspart und eventuell sogar Lob bringt? Weinen unerwünscht ist, Lachen im falschen Moment kommen kann, dankbare Freude mit Anspruchslosigkeit verglichen wird, freundliche Offenheit mit Naivität und Ärger mit Schwäche.
Kennst Du sie auch? Die Kinder mit weißen Schuhen, die paralysiert am Rad des Spielplatzes stehen?

Tjaaa… wo ist der Sinn dahinter? sind saubere Schuhe das Ziel? Werde ich wegen meiner äußeren Ruhe gemocht? Habe ich mehr Freunde, weil ich meine Gefühle für mich behalte und nur noch Ohren für ihre Gefühle habe? Bin ich glücklicher, wenn ich mit dem Schlimmsten rechne und durch positiven Ausgang dann “enttäuscht” werde? Bin ich entspannter, wenn ich permanent auf der Hut bin, nicht verletzt zu werden?

Die Sehnsucht nach Gefühlen, nach eigenen Gefühlen.

Nach Gefühlen, die keinen Namen haben müssen, die Zeit und Raum bekommen können, die sein dürfen, wie und was sie sind.

Im übrigen, wenn der Verstand Gefühle beschreibt und beurteilt, ist es nicht so, als ob man Wasser fragen würde, wie sich eine Brandwunde anfühlt? den Wind, wie es in einer Tupper-Dose so ist oder den Papagei, ob der Käfig auch golden sein darf?

Gute 24 Stunden
Isabella