/ August 10, 2019/ Neues aus dem Meeting

Die wichtigste Person des Meetings ist der Neuankömmling.
“Aber wie funktioniert das im Meeting, wie läuft es ab? Warum hilft es mir? Warum sagt ihr Eure Namen immer wieder? Danke fürs Teilen? Danke fürs Zuhören? Kann ich was dazu sagen? Bekomme ich keine Hilfe, keine Ratschläge? Diskutieren wir das nicht aus?”

Tatsächlich sind die 12 Schritte ein Genesungsprogramm, welches einen, zunächst ungewohnten, Rahmen vorgibt. Dazu gehört das Format des Meetings: wir lesen gemeinsam Texte vor, wir hören zu und wir Teilen. Teilen unsere Erfahrung mit, Teilen unsere Hoffnung – wir teilen uns mit. Wir sprechen über uns, also in “ich”-Form, wir sprechen nicht über Andere. Wir kommentieren nicht, was Andere sagen, wir bewerten es nicht.

Es kam mir, besonders am Anfang, vor, als ob ich keine Antwort auf mein Geteiltes bekommen würde, weil sich Keiner direkt dazu geäußert hat. Ich hatte ein akutes Problem, brauchte ein Kommentar, eine andere Sichtweise, eine Idee, einen Anschubser, vielleicht sogar eine Bestätigung oder gar eine Absolution für mein Handeln. Ich wollte aber gleichzeitig nicht als dumm oder unfähig dastehen. Manche Ratschläge wollte ich gar nicht hören. Möglicherweise war mein Teilen durch diese Hoffnungen und Ängste geformt und gehemmt.

Mit der Zeit verlor ich die Angst beurteilt zu werden, verbessert oder gerügt zu werden.
Nach und nach konnte ich im Meeting ehrlich und präsent sein.

Irgendwann habe ich auch das Vertrauen aufgebaut, über meine tiefsten Gefühle und Beweggründe sprechen zu können, Situationen zu beschreiben, wie ich sie wirklich erlebt habe.
Inzwischen tauche ich während des Teilens – meiner Erfahrung, meiner persönlichen Empfindung, meiner eigenen Sichtweise – tief in mich hinein, höre mir selbst zu, höre neue Erkenntnisse.
Ja, es ist etwas Besonders, das spirituelle Teilen, eingerahmt in “Ich bin Isabella und Danke fürs Zuhören”
.

Wir erleben im Meeting eine Abfolge von ca. 5-minütigen Monologen (ja, wir haben auch eine Redezeitbegrenzung 🙂 ), zu eigenen aktuellen Themen oder zu Themenvorschlägen, die zu Meetingsbeginn gemacht wurden. Es kann, je nach Anzahl der Meetingsbesucher, auch mehrfach geteilt werden. Offene Fragen oder direkte Ansprachen können in der Pause oder im Nachmeeting gestellt werden.

Warum das Selbsthilfe ist? Warum es funktionieren soll? Woher weiß ich, ob das die passende Form für mich ist?

Nun ja, dies kann man selbst ausprobieren. Vielleicht sind die Erfahrungsberichte der anderen 12-Schrittler inspirierend. Vielleicht sind die Themen gerade aktuell, vielleicht gibt mir reine Anwesenheit beim Meeting schon ein gutes Gefühl.
Es gibt kein Zwang wieder zu kommen, keine Mitgliedschaft, keine Mindestanzahl an Besuchen, es gibt keine Versprechen für ein Wiedersehen.

Dafür gibt es jederzeit die Möglichkeit wieder zu kommen.
Gute 24 Stunden
Isabella